Sony Nex-6 (vs. Olympus E-M5)
Es wird Oktober 2012, ein Jahr nach der Nex-7, bis Sony den genialen Sensor der Nex-5 in ein brauchbares Gehäuse packt. War die Nex-5n schnell wieder verkauft, weil die Bedienung keine Freude machte, so lassen die Olympus und auch die Canon EOS 5D Mark III den einfachen Gebrauch der manuellen Nikon-Objektive vermissen.

Die Bildqualität der Nex-6 ist gegenüber der 5N dieselbe und gegenüber ihrer Grösse erstaunlich, vorausgesetzt man verwendet RAW und gutes Fremdglas. Gegenüber der Nex-5n ist das Gehäuse der Nex-6 ein Gewinn, speziell das Programmwahlrad.
Nach dem Auspacken der neuen Kamera muss nach dem Laden des Akkus zuerst die Kamera konfiguriert werden. Dabei fällt das Fehlen eines extternen Ladegerätes sowie des hinteren Objektivdeckels wie auch Abdeckkappe für die Kamera auf. Bei der Konfiguration der Sony kommt erschwerend hinzu, dass gewisse Menüpunkte nur aktivierbar sind, wenn man in demjenigen Modus ist, wofür der Punkt gedacht ist. So kann das Fokuspeeking (aktivieren, dicke der Striche, Farbe) erst konfiguriert werden, wenn die Kamera im manuellen Modus steht. Wenn ein Adapter für Fremdobjektive angesetzt wird, dann muss im Menue das Auslösen ohne Objektiv aktiviert sein, sonst weigert sich die Kamera, ein Bild aufzunehmen.

Erstaunlich ist, dass der kleine Sensor der Olympus OM-D E-M5 mit dem grossen Sensor der Sony Nex-6 mithalten kann und in Sachen Rauschen besser ist (JPG). Bei der Bearbeitung in RAW hat die Nex-6 die Nase leicht vorn, ist aber in der Praxis nicht der Rede wert.
Zusätzlich zu dem ähnlichen Rauschverhalten kann bei statischen Motiven dank dem eingebauten und extrem effektiven Bildstabilisator in der Olympus E-M5 mit ein bis zwei Stufen tieferen ISO-Empfindlichkeit gearbeitet werden. Es sollte allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass beide noch (gefühlt) weit weg vom noch grösseren Sensor der Canon 5D Mark III sind, wobei “weit” hier in etwa den Faktor 2 meint und nur auf das Rauschen bezogen.
Herbstmesse Basel, dank IS der E-M5 bei 1/8 Sekunde ruhig aus der Hand gehalten.
Hier ein Vergleich zwischen der Canon EOS 5D Mark III, der Olympus E-M5 sowie Sony Nex-6, alle mit dem Nikkor 85mm H f/1.8 bei 1/1000s, ISO 3200 und Blende 2.8 auf Stativ. Das Licht kam von einer gedimmten Fluoreszenzlampe. Ich hab alle RAWs in DNG umgewandelt und mit C1 Version 5 (läuft noch auf altem Rechner und kennt keine der Kameras) in JPG umgewandelt, Rauschunterdrückung auf 10/30 (weniger wie Hälfte der Standardeinstellung), Rest der Einstellungen ist auf Null und linear. Auf dem angehängten Bild ist das Bild der 5D3 auf 66% und die der “Kleinen” auf 50% vergrössert (Klicken zur Vergrösserung).
Das RAW der Nex-6 ist etwas rauschfreier, wobei das RAW der OMD ist 0.5EV dunkler und rötlicher (am selben Zahn gemessen wie die anderen) war und angepasst wurde. Die Erbsensucherei zeigt, dass alle Kameras bei ISO 3200 gute Bilder liefern können, wenn gute Objektive verwendet werden
Das zweite Beispiel zeigt, welchen Einfluss die Wahl des Kamera-Profils am Beispiel der OMD hat (DNG Neutral zu Phase One 20+ Tungsten Easy Black) und die Anhebung der Farbrauschunterdrückung um 10. Der Eindruck (speziell der blaue Stoff und hell/dunkel im “Gesicht”) entspricht so den beiden anderen Kameras. Die Software, welche die Sensordaten der Nex oder E-M5 umwandeln, dürften den grösseren Einfluss haben, welches Bild und somit Kamera technisch besser ist und welche nicht.
Bei der Dynamik, also den Unterschied zwischen hell und dunkel, liegen alle drei Kameras nahe bei einander und die richtige Belichtung entscheidet eher darüber, ob die Details im hellen oder dunklen Bereich zu erkennen sind, wobei in hellen Bereichen das RAW der Nex-6 erstaunlich viele Details heraus holen kann.
Der obere Ausschnitt ist aus dem JPG-Bild direkt aus der Kamera, welches bereits mittels der Funktion DRO (Dynamic Range Optimizer) 2 Blendenstufen mehr an Dynamikumfang heraus holt. Wie aus dem unteren Ausschnitt zu sehen ist, ist im RAW noch einiges mehr an Informationen gespeichert und Details des Standhintergrundes wie auch das Cellophan bekommen mehr Struktur.
Der Weissabgleich der Olympus E-M5 ist auf den ersten Eindruck genauer und treffsicherer, speziell bei Leuchtstoff- und Energiesparlampen. Inzwischen hat auch Sony ein brauchbares kleines Zoom heraus gebracht, das 16-50 OSS und damit ist sie nicht mehr so unhandlich wie die Nex 5n sondern liegt gut in der Hand. Allerdings ist die Verzeichnung enorm und bei Aufnahmen in RAW können die Bordmittel von Lightroom das Objektiv noch nicht ganz korrigieren (Stand Anfang November 12).
Der Autofokus der Olympus arbeitet unauffällig und schnell, selbst an der nächtlichen Herbstmesse, während der der Sony nicht ganz so flott zu Werke geht und schon mal sein Ziel sucht. Ihre Stärke spielt sie wie schon mehrfach erwähnt bei der Unterstützung der Scharfstellung bei manuellen Objektiven aus. Mit einiger Übung können so auch bewegte Objekte aufgenommen werden, was mit einer Olympus oder Canon 5D Mark III nicht geht, allerdings sollte das Objektiv von Hause aus eine gute Schärfe und Kontrast liefern. Im weiteren wird nicht mehr auf das Kitobjektiv eingegangen, da mit den Nikon-Objektiven die Möglichkeiten des Sensors auch gebraucht werden. Hier ein Beispiel (analog gilt dies natürlich für jegliche Kitzooms im Vergleich zu Festbrennweiten) mit der Anti Motion Blur-Funktion:
Bild links wurde mit dem 85mm-Nikon-Objektiv und das rechts mit dem Sony Kit-Objektiv 16-50mm mit Blendenvorwahl gemacht. Wie gut zu sehen ist, belichtet die Sony mit dem Kitobjektiv zu dunkel.
Beide Kameras bieten im Sucher einen Dioptrienausgleich für Brillenträger und mit beiden lässt es sich gut arbeiten, wobei trotz ihrer Qualität noch immer ein elektronisches Feeling vorhanden ist. An der Nex wird ein Umschalter zwischen Sucher und Display vermisst, sobald man die Kamera an das Auge nimmt schaltet der Sucher ein und das Display aus. Will man dauern auf Sucherbetrieb umschalten, so geht dies nur in den Tiefen des Menüs.
Die wichtigsten Funktionen wie ISO-Einstellungen, Belichtungskorrektur, Aufnahmemodus, Belichtungsmessung und Messwertspeicher, Fokusarbeitsweise und Weissabgleich sind über Tasten zu erreichen. Top ist auch, dass man nun ohne Adapter die Fernsteuerung für die Elinchromblitzanlage in den Standard-Blitzschuh einschieben kann und so auch mittels Elinchrom-Skyport neben der Studioblitzen auch den Canon Speedlite 580 auslösen kann.

Gegenüber den früheren Nexen hat die 5R wie auch Nex-6 neben dem Auslöser einen Funktionsknopf erhalten, welcher ein Menue im Sucher oder Display einblendet und den schnellen Zugriff auf sechs Funktionen ermöglicht. Diese können in einem engen Rahmen parametriert werden. Diese sind: AF/MF selektieren, AF Modus, AF Bereich, Gesichts- und Lächelnerkennung, Auto Portrait Framing, Soft Skin Effekt, Bildqualität (RAW/JPG), ISO, WB, Messmethode,DRO/Auto HDR, Picture Effect, Kreativstil, Blitzmodus.
Was bei Canon der Q-Button, ist bei Sony das “Quick-Navi”-Menue, welches mit dem DISP-Knopf aktiviert werden kann. Wäre an und für sich eine gute Sache, ist aber daran gebunden, dass die Anzeige nur im Sucher funktioniert. Dazu muss im Menu Kamera->Taste DISP (Monitor) der Punkt “Für Sucher” aktiviert sein. Bei dem Gebrauch war die Reaktion leider nicht vorhersehbar (Anzeige mal nur auf dem Display, mal nur im Sucher) und nicht intuitiv, weshalb ich das Menue wieder deaktiviert habe. Warum diese Einstellung im Menue Kamera und die Einstellung der Fn-Taste unter Einstellungen zu finden ist, bleibt mir auch verschlossen.
Was leider bei Sony noch immer ist, dass zuviel Computer in der Kamera integriert ist. Will man zum Beispiel die Smart-Fernbedienung (iPhone steuert Kamera via WiFi) installieren, muss man zuerst ein Sony-Entertainment-Network-Konto anlegen.
Bei der Olympus habe ich den zusätzlichen Handgriff montiert, damit bei längerem Halten die Finger nicht verkrampfen. Der Nachteil ist, dass das Akkufach unterhalb des Griffes ist und beim Akkuwechsel dieser demontiert werden muss. Die SD-Karte ist in einem separaten Fach jederzeit gut zugänglich. Bei der Sony Nex-6 ist die SD-Karte zusammen mit dem Akku unter demselben Deckel. Leider ist die SD-Karte viel zu nahe am Scharnier und nur mühsam zu entfernen oder einzusetzen.



